Altenburg Schloss Spalatin ( 9)

Spalatin in Altenburg

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Er hieß Georg Burkhardt, uneheliches Kind, unbekannter Vater, am 17. Januar 1484 in Spalt, tiefste fränkische Provinz geboren. Was sollte aus dem schon werden? Da hatte er die Kühnheit sich gemäß damaligem humanistischem Brauch nach seiner Heimatstadt Spalatin zu benennen.
Und er studierte: Theologie; erhielt 1503 die Magisterwürde in Wittenberg und wurde 1508 zum Priester gewählt.
Entscheidend war, dass er eine Stelle als Prinzenlehrer am kurfürstlichen Hof in Torgau erhielt und dadurch schnell das Vertrauen des Kurfürsten Friedrich III. (der Weise) von Sachsen erwarb. Es wird kolportiert, dass er nicht der beste Lehrer war, aber der beste Geheimsekretär, geistlicher Berater und Hofprediger.
In Wittenberg lernte er Luther kennen. Sie befreundeten sich.
Und die Geschichte postierte ihn als Bindeglied zwischen Luther und Friedrich dem Weisen. Die beiden hatten sich persönlich nie kennengelernt.
Er wachte über Luther und beeinflusste Weltgeschichte. Der Diplomat. Spalatin nahm an allen wichtigen Reichstagen und Fürstentreffen seiner Zeit teil und erkannte schnell die politischen Strömungen. Es war Spalatins Plan, 1521 Luther nach dem Reichstag in Worms zum Schein auf die Wartburg zu entführen und ihn damit in Sicherheit zu bringen.
Altenburg Schloss (10)Nach dem Tod Friedrichs des Weisen verlor auch Spalatin seinen Job. Nun konnte sich sein Freund Luther revanchieren. Er kam mit dessen Empfehlung 1525 als Stadtpfarrer nach Altenburg. Er beschloss, in Altenburg die Ideen der Reformation als „Pilot-Projekt“ umzusetzen und veränderte die Strukturen der damaligen Stadt-Gesellschaft vollständig. Die Klöster wurden aufgelöst. Das Gesundheitswesen, das Bildungswesen und auch die Armenversorgung neu und modern organisiert. Herkulestaten.
Spalatin erkannte, dass man wohl Menschen mit Begeisterung motivieren kann – vorübergehend… Aber dann muss sich das Leben qualitativ verbessern. So erfand er die Methode der Visitationen. In diesem Verfahren wurden die kirchliche Strukturen und die Geistlichen in den Gemeinden überprüft und Verbesserungen eingeführt: In den Jahren von 1527 bis 1542 wurden auf diese Weise die landeskirchlichen Strukturen geschaffen. Er stand im regelmäßigen Meinungsaustausch mit Luther, hauptsächlich brieflich aber sie besuchten sich auch häufig.
Spalatin hat seine Bedeutung sehr realistisch eingeschätzt. Er behauptete von sich: „Wenn ich nicht gewesen wäre, nimmer wäre es mit Luthero und seiner Lehr soweit kommen“.
Der gewaltige Macher litt in seinen letzten Lebensjahren an Depression. Zu groß waren die Probleme der Umsetzung der Reformation. 1545 starb der Steuermann der Reformation in Altenburg und wurde in der St. Bartholomäikirche beigesetzt.
Wichtigste Person an seiner Seite: Am 19. November 1525 heiratete Georg Spalatin seine Katharina in der St. Bartholomäi Kirche von Altenburg. Welch ein Zufall: Auch die beiden anderen Reformatoren standen auf Katharinen. Philipp Melanchton heiratete am 26./27. November 1520 seine Katharina, 1525 heiratete Luther seine Katharina.
Katharina Spalatin war die Chefin des Haushalts: Zwei Töchter, das große Haus, ein kleiner Bauernhof mit sechs Hektar Äcker und Wiesen, zwei Gärten und Vieh, darunter sieben Rinder und vierzehn Schweine, ein eigenes Brauhaus mit einem Ausstoß von 18000 Liter Bier im Jahr – und viele Gäste.
„Meine Kette (oder Fessel)“ nannte Spalatin seine Frau Katharina, eher bewundernd als lamentierend und als intellektuelles Wortspiel, weil „catena“ eben Fessel heißt.

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