Eisenach Wartburg (30)

Eisenach: Wartburg

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Orte, Personen

Wo ein Tintenfleck die Menschen bewegt

Es gibt Orte, die einen rühren. Dazu gehört Luthers Arbeitszimmer auf der Wartburg. Geschichten, die nicht alle authentisch sind umgarnen solche Räume. Selbstverständlich ahnt man als heutiger Besucher, dass die Einrichtung nicht aus Luthers Welt stammt. Aber der Ausblick, der ist original.
Die Menschen Generation vor uns, hatten es einfacher. Sie glaubten ohne Zweifel. Auch an den Tintenfleck. Luther hat ja selbst berichtet: Während seiner Übersetzungsarbeit sei ihm der Teufel höchst persönlich erschienen. Und irgendjemand hat hinzugefügt, dass Luther sein Tintenfass nach dem Teufel geworfen habe. An der Wand sei das Glas zerschellt, einen großen Tintenfleck hinterlassend. Bemerkt hat den Tintenfleck zunächst niemand. Denn erst im 17. Jahrhundert wird er erwähnt. Und die Menschen stellten sich vor, wie der Reformator mit Tinte gegen den Teufel kämpfte
Natürlich könnte der entdeckte Fleck auch ein Rußfleck gewesen sein, denn zu Luthers Zeiten brannte im Stübchen ein Kamin. Aber die Luther-Verehrer glaubten blind an den Tintenfleck. Sie kamen in Scharen auf die Wartburg und kratzten sich ein kleines Fleckchen aus dem Fleck heraus. Reliquien waren damals durchaus state oft the art. Und viele hatten Sehnsucht nach Vergangenheit. Das bekam dem Fleck nicht gut. Er wurde zum Loch in der Wand. Dem Luther-Schreibtisch ging es ähnlich. Span für Span wurde er zum Souvenir bis irgendwann die Reste des Originals verschwunden waren.
Nun könnte man den Tintenklecks ja erneuern, hinter Alarmanlagen verstecken und in der Souvenirbude ein eingefasstes Stück des Fleckes anbieten. Sicherlich ein Geschäftsmodell. Man möge meine Gedanken verzeihen.
Der Luther-Arbeitsplatz beeindruckt ohnehin. Denn was war, das war. Hier stand und saß und arbeitete Luther. Definitiv. Mit und ohne Fleck.

Auf der Wartburg gibt es ein Hotel. Eine Übernachtung können sich die wenigsten Menschen leisten, aber eine Tasse Kaffee mit wunderbarem Ausblick kann man gut genießen.

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