Eisenach Wartburg (10)

Eisenach: Wartburg

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Wo deutsche Geschichte „gemacht“ wurde

Zumindest einen schönen Ausblick hatte er. Militärisch ausgedrückt, war ein Junker Jörg auf die Wartburg verschleppt worden, befand sich dort in Schutzhaft. Ein gefährlicher Begriff: Wer schützt wen? Im Nationalsozialismus kamen viele Verdächtige in Schutzhaft, gemeint ins KZ. Luther genoss auf der Wartburg tatsächlich Schutz vor der Willkür des Kaisers. Zu bewundern ist der Mut von Friedrich dem Weisen, dem Kurfürst von Sachsen, der gegen den Kaiser aufbegehrte.
Luther hat die Aussicht wohl nicht genossen, denn er nützte die zehn Monate Zwangsaufenthalt und übersetzte das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Glücklicherweise nicht in eine Gelehrtensprache, sondern er schaute den Menschen „aufs Maul“. Man könnte durchaus geneigt sein, dies als die wichtigste Tat Luthers zu bezeichnen.
Manchmal verließ Luther die Wartburg. Er berief sich als freier Mensch auf seinen Glauben an Gott. Durch ihn fühlte er sich so sicher und beschützt, wie es kein irdischer Fürst zu geben vermochte.
Die Wartburg ist darüber hinaus Zeuge deutscher Geschichte. Der Sage nach soll Ludwig der Springer ihre Gründung 1067 mit den Worten: „Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ verkündet haben. Im 12. Jahrhundert wurde die kleine Veste zu einem bedeutenden Zentrum höfischer Kunst. Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach trafen sich hier beim legendären Sängerwettstreit.
1777 weilte auch Goethe einige Wochen auf der Wartburg. 1817 kamen 500 Studenten zum Wartburgfest, der ersten bürgerlich-demokratischen Versammlung in Deutschland. Aus ihrem Motto „Ehre, Freiheit, Vaterland“ entstand ein deutscher geeinter Nationalstaat. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ sich Wagner zu seiner romantischen Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“ inspirieren. Da kommt man sich als Besucher irgendwie klein vor.

Von Eisenach bis zur Wartburg sind es 4 km Man fährt auf der B19 bis zum Karthausgarten und biegt in die Wartburgallee ein. Das Auto stellt man auf dem Großparkplatz ab. Für den weiteren Aufstieg braucht man ca. 20 Minuten

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