Eisleben (49)

Eisleben – Die Luther-Stadt

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Eisleben, Lutherstadt, so geadelt seit 1946. Andere nennen die Stadt „Bethlehem und Jerusalem des Reformators“.
Schon 994 erwähnt, ab 1180 mit Stadtrechten und Stadtmauer. Die Städter waren selbstbewusst aber noch nicht frei, sondern den Grafen von Mansfeld untertan. Reiche Bergbauregion: Um 1200 entwickelte sich der Kupferschieferbergbau im Mansfelder Land. Klöster und Kirchen wurden gegründet und Menschen siedelten sich an.
So auch Martins Eltern, eher vorübergehend. Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren, nachdem sein Vater Hans Luder hier eine Anstellung als Bergbauarbeiter fand. Aber bald zogen sie weiter ins benachbarte Mansfeld, wo der Vater Hüttenmeister in einem Kupferbergwerk wurde und zu Wohlstand kam.
Man könnte sagen, Martin Luther ist eher zufällig in Eisleben geboren. Dennoch hat er in einer Tischrede ganz bewusst erzählt: „Dorther bin ich.“
Mit den Grafen von Mansleben waren die Luthers sehr verbunden. Und so war er auch bestens informiert über die Planungen zur Neustadt. Ab 1511 plante Graf Albrecht IV. von Mansfeld die Gründung und Entwicklung der Eisleber Neustadt zur Ansiedlung von Berg- und Hüttenarbeitern. Dies war auch der Grund, dass Luther trotz eines Herzleidens im Januar 1546 nach Eisleben reiste, um einen Streit der Grafen von Mansfeld zu schlichten. Luther dazu: „Heute haben wir dank der Gunst Gottes nicht ohne schärfsten Kampf ein Stachelschwein abgeschlachtet, das noch stachliger als selbst ein Stachelschwein war: Die Frage der Neustadt.“ Es musste dann aber noch länger diskutiert werden. Die beiden verfeindeten Grafen-Brüder Gebhard und Albrecht fanden schließlich mit Luthers Hilfe zu einer Lösung (allerdings nicht von Dauer). Martin Luther agierte als Mediator, war enttäuscht, frustriert, zornig (über die beteiligten Juristen), bekannte, dass er selbst zum „Juristen“ geworden sei. Sonst schien er aber gesund zu sein. Sein Steinleiden plagte ihn nicht und er erfreute sich am „Fressen und Saufen wie die Herrn“. Zu jeder Mahlzeit gab es ein „halbes Stübchen“ Reinfalter Wein, was einem guten Liter entsprach. Eine Einigung wurde zwar unterschrieben, aber Luther schaffte nicht mehr den Weg nach Hause. Er starb in Eisleben am 18. Februar 1546. So war auch der Sterbeort mehr oder weniger zufällig auserwählt.
Aufgrund der Historie wundert man sich nicht, dass Eisleben viele Lutherstätten aufzuweisen hat: Martin Luthers Geburtshaus in der Seminarstraße, ein schönes Fachwerkhaus. Der Stadtbrand von 1689 zerstört das Originalhaus. Die Stadt Eisleben erwarb das Grundstück und richtete eine Armenschule ein, die zugleich als Luthergedenkstätte diente. Heute noch Museum mit einer Dauerausstellung: Viele Exponate erklären die Herkunft des Reformators, die Bergbautätigkeit des Vaters, das Leben im Mittelalter und die Taufe Luthers. Zu den wichtigsten Exponaten gehört ein Taufstein aus dem Jahr 1518. Schön eine Nachbildung der Wohnung der Luthers mit historischen Möbeln und Werkzeugen.
Und dann natürlich das Sterbehaus. Leider das falsche Haus. Dort befindet sich aber ein beeindruckendes Museum. Thema „Luthers letzter Weg“: erzählt von genau dieser letzten Reise des Reformators nach Eisleben und seinen letzten Tage vor Ort.
Die St. Andreaskirche war Luthers Lieblingskirche. Von der Kanzel hielt er im Februar 1546 seine letzten vier Predigten, bevor er am 18. Februar verstarb.
Beeindruckend die St. Annenkirche, eine der schönsten Renaissancekirchen Deutschlands. Berühmtheit erlangte sie durch ihre imposante Steinbilderbibel, ein Sandsteinrelief mit Geschichten aus dem Alten Testament aus dem Jahr 1585. Sie gilt als die Bergmannskirche der Eislebener Neustadt. Grundsteinlegung 1514. Caspar Güttel, der Reformator des Mansfelder Landes bescherte ihr den Ruf als erste evangelische Kirche im Mansfelder Land. Hier wurde ebenfalls die erste evangelische Schule eingerichtet.
St. Petri-Pauli-Kirche, in der Martin Luther am 11. November 1483 getauft wurde. Heute neugestaltet, Zentrum Taufe Kirche, mit dem Fokus auf einen beeindruckenden Ganzkörper-Taufbrunnen. Taufe wird zu einem neuen Erlebnis.
Knapp 25000 Bürger leben heute noch in Eisleben, in altem historischem Flair aber auch mit vielen Visionen für die Zukunft, wie am Taufthema zu sehen ist.

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