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Borna: Emmauskirche

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Wo Kirche bewegt wurde

Nicht nur Luther hielt sich in Borna auf, später auch der Zar Alexander I. und sogar Napoleon, so berichten es jedenfalls die Historiker.
Das ist die gute Nachricht. Nach der Stadt wurde allerdings auch ein Pferdevirus benannt: Bornavirus. Das finden die Bewohner nicht so amüsant. Stolz wären sie lieber auf ein Mammutskelett, das man 1908 fand, Bornaer Mammut genannt. Leider kam es ins Museum für Völkerkunde nach Leipzig, wo es im Dezember 1943 nach einem Bombenangriff fast vollständig verbrannte.
Borna wirbt mit einem beeindruckenden Slogan: „Wo Kirche bewegt wurde“. Das ist ziemlich doppeldeutig und betrifft die jüngere Geschichte der Stadt. Im Jahr 2007 „bewegte“ man die kleine 750 Jahre alte Dorfkirche aus Heuersdorf. Ort und Kirche fielen dem Braunkohleabbau zum Opfer. Mit einem spektakulären Transport auf einem Tieflader reiste die Emmaus-Kirche zu ihrer neuen Heimat auf dem Martin-Luther-Platz. Überall auf der Welt berichteten die Medien teilweise recht emotional über diese „bewegende“ Aktion. Nun steht sie im Schatten der großen Stadtkirche St. Marien, wo einst Martin Luther die Kirche bewegte. Dem Braunkohleabbau, ab 1800, verdankt die Stadt ihre Industrialisierung, aber auch ein gehöriges Maß an Umweltzerstörung. So manches Dorf musste den Baggern weichen. Und manche Gläubige verloren ihre Kirche. Die Emmaus-Kirche wirkt gerade durch ihre Schlichtheit beeindruckend. Ebenso im Inneren: ein Kruzifix mit Macht grob aus einem Baumstamm geschnitzt. Die Leiden beeindrucken stumm.
Zwischen den beiden Kirchen steht ein Doppel-Mahnmal: natürlich Luther als Junker Jörg. Daneben eine eher unkenntliche Skulptur, ein „in sich verkrümmter Mensch“. Will sagen: Der junge Luther hat gespürt, dass selbst religiöse Praktiken nicht helfen die Verkrümmung zu lösen. Es gelingt erst, wenn unser Denken und Handeln dem Nächsten gilt.

Von der Sachsenallee biegt man auf die Brühl Straße ab, die in den Martin Luther Platz übergeht. Jenseits der Brühl Straße und der Sachsenallee befindet sich der „Breite Teich“. Um ihn herum kann man noch einen schönen Spaziergang vornehmen.

Wo Kirche bewegt wurde. Ein schöner Slogan. Mehr darüber kann man hier erfahren.

 

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