Erfurt Synagoge (1)

Erfurt: Synagoge

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Wo die Juden vergessen wurden

Luther hätte die Frage verneint. Luther war kein Judenfreund. Seine Sprache über die Juden fiel mehr als deftig aus: „Juden sind giftige, bittere, rachgierige, hämische Schlangen, Meuchelmörder und Teufelskinder.“ Diese Zeiten haben wir überwunden. Da stimmt es fast fröhlich, wenn wir uns zur Alten Synagoge in der Waagegasse aufmachen. Sie gehört zu den ganz wenigen erhaltenen mittelalterlichen Synagogen und gilt sogar als die älteste vom Fundament bis zum Dach erhaltene Synagoge Europas. Einer Holzanalyse konnte man entnehmen, dass einige Teile aus dem Jahr 1094 stammen. Mit dem Bau begonnen wurde bereits um 1100. Der heutige Bau, wie wir ihn sehen, stammt so aus dem Jahr 1270.
In der Nähe der Synagoge wurde 1998 der „Jüdische Schatz von Erfurt“ gefunden, der alle Kunsthistoriker begeisterte. Er zählt zu den umfangreichsten und besterhaltenen Schätzen des europäischen Mittelalters. Seit Oktober 2009 ist er in der Synagoge ausgestellt. Ebenfalls in der Nähe entdeckte man im Sommer 2007 ein jüdisches Ritualbad (Mikwe). Es gibt noch mehr jüdische Andenken. So kann man heute in Erfurt bestens Judenkultur entdecken.
Die Verwendungsgeschichte ist traurig und glücklich zugleich. Nicht einmal 250 Jahre nutzten die Juden den Bau als Gotteshaus. Bei einem Progrom 1349 wurden alle Juden in Erfurt ermordet. Da sich niemand mehr um die Synagoge kümmerte, wurde sie als Lagerhaus zweckentfremdet; Ende des 19. Jahrhunderts sogar Tanzsaal. Es wurden Zwischendecken eingefügt, Anbauten gemacht, unterkellert und ein neues Dach aufgesetzt. So war der Bau nicht mehr als Synagoge erkenntlich und niemand erinnerte sich an diese Tatsache. Die Synagoge war aus dem Bewusstsein der Erfurter gestrichen. Welch ein Glück: Deshalb überstand sie die Zeit des Nationalsozialismus unbeschadet.
Heute wird Erfurt um diesen kulturellen Schatz beneidet.

Die Alte Synagoge befindet sich in der Waagegasse 8. Sie ist Museum. Es finden Ausstellungen statt. Die Mikwe befindet sich in der Kreuzgasse. Sehenswert auch die Kleine Synagoge, heute Begegnungsstätte: An der Stadtmünze 4-5. Der alte jüdische Friedhof befindet sich in der Cyriakstraße, der mittelalterliche Friedhof in der Großen Ackerhofsgasse. Es gibt auch eine Neue Synagoge. Sie befindet sich am Juri-Gagarin-Ring 16.

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