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Dessau: Der Johannbau

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Wo es den einzigen Fürst-Bischof gab

Der Johannbau war zu seiner Zeit einer der ersten und bedeutendsten Schlossbauten der deutschen Frührenaissance. Sehr schön, auffallend und sein „Markenzeichen“ die abgerundeten Vorsprünge der Frontseite, die den Bau fast verspielt aussehen lassen. Beeindruckend der Treppenturm.
Erbaut 1533, zerstört am 7. März 1945. Innerhalb von 45 Minuten wurde die in Jahrhunderten gewachsene Innenstadt zu über 80% zerstört – und auch Teile des Johannbaus. Die Bomber lassen grüßen.
Erst ab 1990, dank staatlicher Mitteln und Finanzen der Lotto-Toto GmbH von Sachsen-Anhalt wurde das Schloss in seiner ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt. Dabei erhielt der Johannbau sowohl seine Rundbogengiebel als auch die alte Form der Turmhaube wieder zurück.
Die Innenräume und die Einrichtung des Saalbaus sind im Krieg unrettbar verloren gegangen. Nur die Kellergewölbe haben den Krieg unversehrt überdauert.
Der Bau wurde 1528 – 1533 auf Resten eines mittelalterlichen Vorgängerbaus als Residenzschlosses der Fürsten und Herzöge von Anhalt-Dessau errichtet. Der Bauherr war Fürst Johann IV. von Anhalt (1504 – 1551) und seine jüngeren Brüder Georg III. und Joachim. Die interessanteste Persönlichkeit ist Georg III, auch „der Gottselige“ genannt. Erst Mitregent, dann Priester, immer hochrangiger Unterstützer der Reformation.
Als 1544 Kurfürst August von Sachsen im Bistum Merseburg die Reformation einführte übernahm er das Bischofsamt und ließ sich von Luther 1545 im Merseburger Dom ordinieren. Damit war er der einzige deutsche Fürst, der auch evangelischer Geistlicher wurde. Nicht ohne Tragik. Durch Niederlagen im Schmalkaldischen Krieg wurde Merseburg wieder katholisch, Georg des Amtes enthoben und vertrieben. 1553 starb er auf dem Dessauer Schloss und wurde in Anwesenheit Melanchthons in der Marienkirche beigesetzt.

 

Seit August 2005 befindet sich im Johannbau das Museum für Stadtgeschichte Dessau mit seinen Ausstellungen. Besonders beleuchtet wird die Reformation und den Anteil, den Georg III. daran hatte.

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