Dessau Johanniskirche (4)

Dessau: St. Johannis Kirche

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Wo besondere Cranach-Bilder sind

Sie liegt zentral. Die Kirchengemeinde ist mittlerweile klein, aber der Kunstschatz in der Kirche groß: drei wunderbare Tafelgemälde aus den Werkstätten der Cranachfamilie Die Kreuzigung, Jesus am Ölberg und das Dessauer Abendmahl.
Die Gemälde stammen eigentlich aus der Schloss- und Marienkirche Dessaus. Denn die St. Johanniskirche wurde als lutherische Kirche im reformierten Anhalt erst im Jahr 1702 in Dienst genommen: schlichter spätbarocker Stil mit klassizistischen Elementen. 1967 fusionierten die Kirchengemeinden St. Johannis und St. Marien und die Gesamtgemeinde kam in den Besitz der Gemälde, die im Krieg ausgelagert worden waren und nach 1990 aufwendig renoviert wurden. Daher hängen die Bilder heute dort, wo sie hängen. Besonders beeindruckend das Dessauer Abendmahl vom jüngeren Cranach (1565). Es dokumentiert ein Teil Reformationsgeschichte. Die Köpfe der großen deutschen Reformatoren werden in der Jüngerschar abgebildet. Luther ist zu erkennen, Bugenhagen, Jonas, Melanchthon und der Dessauer Fürsten-Pfarrer Georg III..
Dessau ist ein Beispiel wie zersplittert die Kräfte der Reformation waren: Am 02.04.1534 wurde in Dessau die Reformation durch die anhaltischen Fürsten Johann, Georg III. und Joachim eingeführt. Bereits 1596 haben sich die Fürsten aber anders entschieden. Die Dessauer Fürsten (Johann-Georg I und Augustus von Anhalt) fühlten sich dem calvinistischen Bekenntnis zugehörig. In der St. Marienkirche feierten sie nach reformiertem Bekenntnis. 1606 findet so etwas wie eine zweite Reformation in Anhalt-Dessau statt, eine calvinistische. Schwere Zeiten für die Lutheraner. Erst 1679 wird die freie Religionswahl im reformierten Anhalt eingeführt. 1690 wird mit dem Bau der lutherische Johanniskirche begonnen, 1702 wird sie eingeweiht. Über die Cranachbilder freuen sich alle. Selbst die Ungläubigen kommen in die Kirche.

 

Die Johanniskirche liegt in der Ecke zwischen Kavalierstraße und Johannisstraße in Dessau, Ortsteil Roßlau. Sie ist nicht nur kulturell interessant, sondern war auch wichtig für die politische Bewegung. 1989 gingen viele Impulse von der Gemeinde aus und auch heute noch bietet man in der Kirche ein Diskussionsforum für politische Themen. Vor der Kirche steht Leopold Friedrich Franz. Ab 1758 regierte er als Fürst, ab 1807 als Herzog Anhalt-Dessau.

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