Wittenberg (84)

Wittenberg: Die Mutter der Reformation

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Es kann Ehre sein und auch ein bisschen Last. Die Wittenberger Bürger stehen früh mit Luther auf, gehen abends mit Luther ins Bett. Immer nur Luther. Anderseits, die Stadt wurde auf Vordermann gebracht, dank Lutherdekade.
Angeblich wurde die Gegend schon vor 10.000 Jahren besiedelt. Urkundlich wird man erst im Jahr 973 fündig. Die erste Erwähnung des Namens Wittenberg stammt angeblich aus dem Jahr 1174.
Albrecht II. lebte in Wittenberg, richtete hier die Residenz von Sachsen-Wittenberg ein und verlieh dem Ort 1293 die Stadtrechte. Die Neuzeit des Mittelalters begann als 1486 Friedrich der Weise die Kurwürde erhielt. Wittenberg wurde kurfürstliche Residenz mit Elbbrücke. 2000 Einwohner lebten in den Wittenberger Mauern. Da scheint der Entschluss des Kurfürsten 1502 eine Universität zu errichten etwas überdimensioniert: Die erste Universität im Reich, nicht von den Klerikern, sondern vom Landesherrn gegründet. Hut ab.
Von da an wurde der kurfürstliche Hof zu einem Anziehungspunkt für schöpferische Kräfte. Jedenfalls weitere Bauten entstanden: 1503 das Fridericianum (Altes Kollegium), 1504 das Augustinerkloster, auch Schwarzes Kloster genannt.
Es tummelten sich Menschen in der Stadt, die recht berühmt werden sollten: Lucas Cranach der Ältere, Luther, Melanchton.
Am 31. Oktober 1517 begann eine neue Epoche. Luther übergab 95 Thesen der Öffentlichkeit. So wurde Wittenberg Geburtsort der Reformation, auch schon mal als „Rom der Protestanten“ bezeichnet.
Nach dem Tod Friedrichs des Weisen ging die Hauptstadtfunktion an Torgau, trotzdem blieb die Stadt Zentrum der Reformationsbewegung.
Wittenberg trafen natürlich auch die Turbulenzen nach der Reformation: Kriege (Wittenberger Kapitulation im Schmalkaldischen Krieg), konfessionelle Auseinandersetzungen, und schließlich Hexenprozesse. Der Dreißigjährige Krieg ging an Wittenberg glimpflich vorbei. Die nachfolgenden Kriege dezimierten die Bevölkerung: 1795 gab es nur noch 366 Studenten.
Schon früh entstand eine Luther-Gedenkkultur. 1821 wurde in Wittenberg das Lutherdenkmal auf dem Marktplatz eingeweiht, 1830 die noch heute stehende Luthereiche neu gepflanzt, 1858 eine bronzene Thesentür für die Schlosskirche gestiftet, 1865 das Melanchthondenkmal auf dem Marktplatz enthüllt, ab 1877 ein reformationsgeschichtliches Museum im Lutherhaus eingerichtet, 1892 die restaurierte Schlosskirche eingeweiht und 1894 das Bugenhagendenkmal auf dem Kirchplatz enthüllt.
Viel Erinnerung: 1952 wurde der 450. Jahrestag der Gründung der Universität, 1953 der Gedenktag zum 400. Todestag Lucas Cranachs d. Ä. und 1967 die 450-Jahrfeier der Reformation.
Und nun? Hoffnung auf eine touristische Entwicklung als „Wallfahrtsort“ der Reformation. Zahlreiche Gebäude wurden restauriert, die Infrastruktur erneuert und neue Attraktionen entworfen.
Und Luther: Wenn man seinen eigenen Worten glauben darf, dann hat er sich in Wittenberg nicht so wohl gefühlt. Er hat zwar über 35 Jahre in Wittenberg gelebt und gewirkt, aber oft über die Stadt geschimpft: „Wir sitzen hier in Wittenberg nur auf einem Schindanger. Die Wittenberger leben am Rande der Zivilisation, wären sie nur wenig weitergezogen, wären sie mitten in der Barbarei angekommen.“
Und Lutherstätten? Wenigstens eine knappe Aufzählung:
Das Lutherhaus: Am Ende der Collegienstraße, ehemals Kloster, das „Schwarze Kloster“ genannt.
Das Augusteum, die Universität: Über den Hof des Lutherhauses gelangt man zum Augusteum mit seinem Hauptgebäude in der Collegienstraße.
Die Stadtkirche St. Marien: Hier predigte Martin Luther mehrmals. Gemeindepfarrer war zu Luthers Zeiten Johannes Bugenhagen
Das Bugenhagenhaus am Kirchplatz 9. Hier zog Bugenhagen mit seiner Ernennung zum Stadtpfarrer ein.
Das Schloss und die Schlosskirche: unübersehbar am westlichen Rand der Altstadt. Das Melanchtonhaus: In der Collegienstraße 60, zur damaligen Zeit eines der modernsten Häuser in Wittenberg
Die Cranachhöfe: Er stammte aus dem fränkischen Kronach, war Künstler und Geschäftsmann. In den Baukomplexen Schlossstraße 1 und Markt 4 kann man sich ein gutes Bild davon machen.
Nicht zu vergessen die Luther- und Melanchthon-Denkmäler auf dem Markt.
Wenn jemand andere Akzente setzen will: 1999 entstand die Hundertwasser-Schule. Interessant und garantiert keinerlei Bezug zu Luther (Schillerstr. 22a)

 

Informationen über Wittenberg findet man hier.

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