Leisnig Stadtgut (18)

Leisnig: Stadthaus

Kommentare 0
Orte, Personen

Wo die Kastenordnung entwickelt wurde

Leisnig liegt inmitten des größten Obstanbaugebietes Sachsens, wunderbar eingebettet in die idyllische Muldenlandschaft.
Historisch berühmt die Stadtkirche St. Matthäi. Zurück in die Reformationszeit.
Bereits zwei Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers beschloss man in der Gemeinde der Stadtkirche St. Matthäi die Reformation im Wort und natürlich auch in der Sakramentsverwaltung. Das bedeutete: Keine Abhängigkeit mehr vom Kloster Buch, sondern selbst sozial agieren, und dabei „entlaufenen“ Mönchen helfen. Die Bürger luden Martin Luther ein, zur Beratung über eine Sozialordnung in die Bergstadt zu kommen. 1522 sowie 1523 weilte er daraufhin jeweils für mehrere Tage in Leisnig. Aus den intensiven Gesprächen entstand die „Leisniger Kastenordnung“, das älteste Sozialpapier der Welt. Martin Luther schrieb persönlich das Vorwort. Die Kastenordnung regelte die Verwaltung der Gelder. Der Name leitet sich von einem Kasten mit vier großen Schlössern ab, in dem das Kirchen-Kapital aufbewahrt wurde und der der Sozialordnung den Namen gab.
Eine Kopie sowie Erklärungen finden sich im Eingangsbereich der Stadtkirche. Bereits 1529 hatte Magister Wolfgang Fueß, ein Freund Martin Luthers seine Tätigkeit als erster Superintendent aufgenommen, so dass Leisnig (heute Leisnig-Oschatz) zu den ältesten lutherischen Gemeinden gehört.
Interessant auch die Ahnengalerie in der Kirche, nicht von Fürsten oder Rittern, sondern von den Superintendenten seit 1619. Wer sich mehr über diese Sozialcharta informieren möchte, gehe ins Stadtgut Leisnig mit dem Stadtmuseum. Es beherbergt eine Dauerausstellung zur Leisniger Kastenordnung.
Das Stadtgut ist ein Bürgerhaus aus dem frühen 16. Jahrhundert. Nach dem Stadtbrand von 1510 soll das Gebäude unter Verwendung von Resten des Vorgängerbaus errichtet worden sein. Also ein historisch wertvolles Gebäude, das 2004 ebenso wertvoll und sensibel restauriert wurde.

Das Stadtgut befindet sich in der Kirchstraße 15. Schräg gegenüber, bergabwärts befindet sich Stadtkirche St. Matthäi. Bergaufwärts kommt man zum Marktplatz mit dem Rathaus.

Hinterlasse eine Antwort