Leipzig Pleißenburg ( 7)

 Leipzig: Pleißenburg

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Wo ein wichtigstes Gespräch stattfand

Man kann sich das vielleicht so vorstellen: Luther und Melanchton fuhren nach Leipzig. Ungefähr 200 Studenten, mit Spießen und Handäxten bewaffnet, begleiteten die Reformatoren. Notfalls war man bereit, sich mit Waffen zu verteidigen. Obwohl Herzog Georg von Sachsen freies Geleit zugesichert hatte. Schon damals galt: Macht ist besser als Vertrauen.
Der Herzog lehnte die reformatorischen Ideen ab. Mit der Disputation wollte er den Irrweg offiziell feststellen lassen. Klare Ansage.
Austragungsort war die Hofstube der Pleißenburg. Am 27. Juni wurde das Rededuell dann von Karlstadt und Eck eröffnet. Erst später trat Luther auf. Die Hofstube war bis auf den letzten Platz besetzt. Jeder wollte den Star hören, auch Herzog Georg mit seinem Gefolge und die Leipziger Professoren.
Da traten zwei unterschiedliche Menschen an: In der einen Ecke der füllige Johannes Eck mit seiner stählernen Stimme; in der anderen der noch schmächtige Luther. Eck verteidigte vehement die Lehrautorität von Papstamt und dessen Unfähigkeit zu irren. Luther beharrte, dass allein aus der Schrift die Ansprüche des Papstes nicht zu begründen seien.
Martin Luther selbst berichtet später über das Gespräch: „Er drang tapfer vor, indem er mich als einen Häretiker und Beschützer des böhmischen Ketzer Hus beschuldigte. Und schließlich wurde auch über die Autorität des Konzils disputiert.“ Luther bekannte: Konzilen können irren und ein Primat des Papstes gibt es nicht.
Tumulte im Saal, der Herzog empört. Luther kommentierte später: „Vorläufig bekommt Eck den Beifall, er spielt nun den Meister, aber nur solange, bis wir das Unsere veröffentlicht haben werden.“
Ausgang: unentschieden. Jedoch hatte sich Luther zwei Feinde gemacht: den Sachsenherzog und Johannes Eck, der solange keine Ruhe gab bis er in Rom die Bannbulle gegen Luther durchgesetzt hatte.

Die Pleißenburg gibt es leider nicht mehr. Abgerissen, dem Erdboden gleichgemacht. Gedenken kann man neben dem Neuen Rathaus. Der Straßenname steht für Gedenken: Martin-Luther-Ring 4-6. Seit 1905 befindet sich in dem Bau die Stadtverwaltung. U.a. auch das Kulturamt.

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