Leipzig Paulinum2 ( 1)

Leipzig: Paulinum

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Wo das Denkmal für den Gegner steht

„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“
Tetzel, Jahrgang 1465 in Pirna bei Dresden geboren, trat 1489 in das Dominikanerkloster St. Pauli ein. Dort widmete er sich ab 1504 einem interessanten Geschäftsmodell: dem Ablasshandel: Gegen Zahlung eines Geldbetrages erhielten die Menschen, die Gläubigen, wahrscheinlich auch die Ungläubigen die Vergebung ihrer Sünden zugesagt. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war dies streng geregelt: nur bestimmte Sünden waren „geldwert“ und auch sie konnten keinesfalls ohne tätige Reue erlassen werden. Als Rom jedoch immer mehr Geld für den Bau des Petersdomes benötigte, wurden diese Regeln nach und nach gelockert; schließlich zählte nur noch der Geldbetrag. Auch für Verstorbene konnte man Ablässe kaufen. Albrecht von Brandenburg hatte sich bei den Fuggern verschuldet. Er gebar eine Tilgungsidee: Er beauftragte er Tetzel mit dem Verkauf eines „Jubiläumsablasses“ für den Petersdom und für die eigene Portokasse.
1517 hielt Tetzel sich in der Kirchenprovinz Magdeburg auf. Viel Zulauf, auch Wittenberger eilten hinzu. Gute Lösung: Geld sticht Buße. Ergebnis: Befreiung von allen Sünden. Luther, Beichtvater vieler Wittenberger, bemerkte dies voller Ärger. Die Folgen sind bekannt: Die 95 Thesen, die er als Reaktion in Wittenberg anschlug, lösten die Reformation aus.
Kein Denkmal für Tetzel? Doch, jedenfalls ein bisschen. Er ist beerdigt im Paulinum, der Aula und Universitätskirche St. Pauli, früher Paulinerkirche, Teil eines ehemaligen Dominikanerklosters, in dem Tetzel gelebt hatte. Er trat 1489 in das Leipziger Kloster ein und war trotz seiner häufigen Abwesenheit wegen seiner Ablass-Prediger-Reisen immer Angehöriger des Klosters. 1518 kehrte er ins Kloster zurück und starb hier 1519. Luther verdammte Tetzel nicht: Kurz vor seinem Tod am 11. August 1519 schickte er ihm einen Trostbrief.

 

Das Paulinum gehört zur Universität und befindet sich am Augustusplatz stadteinwärts. Auf der einen Seite befindet sich die Oper, auf der anderen Seite das Gewandhaus. Die Gedenkaula wird 2015 fertig gestellt.

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