Lutherorte klein

Luther: Es luthert in Deutschland

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Luther ist in vieler Menschen Mund. Man kann entweder ruhig sitzen bleiben und die Lutherdekade an sich vorbei ziehen lassen oder man kann sich Luther stellen.
Ich habe mich Luther gestellt und mich auf seine Spuren geheftet: Wo war dieser Luther in Deutschland unterwegs und was hat er an all den Orten gemacht?
Man beginnt mit einer gründlichen Recherche. Ich wusste vorher auch nicht mehr über Luther als was man eben im Religionsunterricht und später in Kirchengemeinden darüber hört. Obwohl Luther in der evangelischen Kirche die wichtigste Person ist, erfährt man über eben diese Person relativ wenig. Ich habe zusammen mit meiner Frau viele der Lutherstätten, an denen sich Luther aufgehalten hat und die heute noch irgendwie an Luther erinnern, aufgesucht. Wir haben das nach Plan gemacht. Ich habe die Stätten grob ausgesucht, Material gesammelt. Dann sind wir losgefahren. Meine Frau war die Pfadfinderin. Sie gab an, wie ich fahren sollte und wo genau sich die Lutherstätten wirklich befanden. Unterwegs bemerkte sie noch weitere Lutherstätten, die ich in der Recherche übersehen hatte. Diese suchten wir alle auf. Jede war anders, jede interessant. Ich machte Fotos, wir sahen uns die Bauten, die Denkmäler an. Wir sprachen mit Anwohnern, wir sammelten weiteres Material. Es war eine anstrengende, aber auch herrliche Zeit: eintauchen in das Lutherleben. Ich wünschte Luther hätte 150 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt, dann wir haben uns vorgenommen nur 95 Lutherstätten zu veröffentlichen, in Gedenken an die 95 Thesen. Aber es gibt noch viel mehr Lutherstätten.
01 Luther (5)Die drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Lutherwege ausgewiesen. Diese kann man bewandern und befahren. Auch unsere Lutherstätten befinden sich auf diesen Lutherwegen, so dass man als Ergänzung das Material der jeweiligen Fremdenverkehrsämter nutzen kann.
Was Sie nun mit diesem Buch machen können? Sie können es lesen und müssen sich nicht einmal wegbewegen. Denn schon alleine durch die Lektüre erfahren Sie viel über Luther. Sie können sich aber auch vor Ort das ansehen, was ich beschrieben habe. Und Sie könnten, angeregt durch das Buch, noch mehr recherchieren, nachfragen und auch im Buch nicht erwähnte Lutherstätten aufsuchen. In jedem Fall werden Sie sich mit Luther etwas intensiver beschäftigen. Ich jedenfalls habe Luther neu entdeckt und das wünsche ich Ihnen auch.
Ich will Ihnen aber auch noch erzählen, was mir an Luther aufgefallen ist. Zum ersten: Luther war wahnsinnig viel unterwegs. Dabei habe ich die Stätten, die außerhalb der drei Bundesländer liegen gar nicht erfasst. Er war ja auch in Coburg, Worms, Rom und in vielen anderen Orten. Er war ständig auf Tour. Viele Strecken ging er zu Fuß, ritt oder kutschierte. Welch eine Leistung. Sicherlich anstrengend.
Zweitens: In all diesen Stätten, die ich aufgesucht habe, hat er gepredigt. Er musste die Predigt ja auch vorbereiten, wo und wie hat er das gemacht? Wann nahm er sich die Zeit dazu. Er hatte eine außergewöhnliche Schaffenskraft. Wenn er zuhause in Wittenberg war hielt er äußerst fundierte Reden beim Mittagstisch. Es gab Zuhörer oder Mitesser, die den Reden lauschten, sie niederschrieben und veröffentlichten. Ich nehme an, dass sie nicht zum Essen gekommen sind. Dann hat er noch Briefe, Traktate, Broschüren geschrieben und Bibelstellen übersetzt. Unglaublich, was der Mann alles arbeitete.
Drittens: Er besaß viele Unterstützer. Ohne seine Käthe hätte er einen solch aufwendigen Haushalt gar nicht führen können. Die Katharina kümmerte sich um ihn, wenn er wieder von einer Reise nach Hause gekommen war, umsorgte ihn und hielt auch seine Launen aus. Vor dieser Frau muss man genauso viel Respekt haben wie vor Luther. Ohne seine Käthe hätte er nie so viel schaffen können. Und dann muss man noch erkennen, dass er nicht der einzige Mann der Reformation war. Der enge Kreis bestand aus drei Personen: Luther, Melanchton und Spalatin. Luther war das Raubein, der Emotionale, der Erfurt (87)Grobschlächtige, der extrovertierte Vertriebsmann. Melanchton war der Organisator im Hintergrund. Er schuf die neue evangelische Gemeindeorganisation, er glich aus, wo Luther aufbrauste. Erst Melanchton stabilisierte die Reformation. Spalatin war der politische Vermittler. Er hielt Kontakt zu den Politiker, den Fürsten und Bischöfen. Ohne seine politische Gestaltung wäre die Reformation schnell aufgerieben worden. Luther und seine Mitstreiter kamen aus der gesellschaftlichen Mittel- oder Oberschicht. Sie hatten alle eine gute, akademische Ausbildung und gehörten durchaus zum brain trust Deutschlands. Die Reformation kam nicht von unten oder von oben, sondern aus der Mitte der Gesellschaft heraus.
Viertens: Luther hätte ein guter Personalchef sein können. Er vermittelte fast alle evangelischen Pfarrer dieser Zeit in die Gemeinden. Die meisten hatten beim ihm studiert und er vermittelte sie an die Gemeinden.
Beeindruckt hat mich auch, dass er häufig als Streitschlichter gefragt war. Leider war er nicht immer erfolgreich, besonders die Bauern hörten nicht mehr auf ihn, auch nicht die Prediger, wie Thomas Müntzer, die sich doch weit vom Evangelium entfernt hatten.
Bei der Arbeit an den Lutherstätten habe ich jedenfalls ein anderes, auch tiefer gehendes Lutherverständnis bekommen. Schon allein das war die Mühe wert.
Ich möchte mich ausdrücklich bei meiner Frau bedanken, die mit viel Einsatz und mit vielen Ideen den Inhalt des Buches angereichert hat. Manchmal sehen vier Augen eben mehr als nur zwei.
Dem Leser möchte ich gute Erlebnisse mit dem Buch und mit Luther wünschen. Ich freue mich, wenn Sie dieses Buch in Ihrem Lesesessel genießen. Noch mehr freue ich mich, wenn Sie vor Ort die Lutherstätten entdecken und besuchen. Wenn Sie dann auch noch Lust auf neue Entdeckungen verspüren, würde es mich ganz besonders befriedigen, denn das ist der Hauptzweck dieses Buches.

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